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Du kannst dich niemals selbst verlieren 

Spätestens als ich an einem random Mittwoch vormittag auf der couch einer Familie saß die nicht meine eigene war und mir Babyfotos von mir ansah und dabei hoffnungslos weinte, wurde es mir einmal mehr bewusst. Ich kann mich niemals selbst verlieren. Zwar sucht man täglich nach Bestätigung außerhalb, will gemocht und gebraucht werden, wertgeschätzt, das Gefühl bekommen etwas ganz Besonderes zu sein. Man versucht immer weiter oder schneller zu kommen, besser als gestern, besser als letzte Woche, oder auch besser als letztes Jahr. In diesem Moment ist man immer unzufrieden mit sich, ich mache ja schließlich nicht genug. Meine to-do liste ist nie ganz fertig und auch nie ganz „done“. Ich setz mich nur selten am Abend hin mit dem Gefühl wirklich alles das gemacht zu haben, was ich machen wollte. Wenn ich viel arbeite, denke ich hätte nicht genug für mich selbst gemacht. Wenn ich einen self care Tag einlege, habe ich das Gefühl nicht genug mit Freunden gemacht zu haben und, ja klar, wenn ich das lustigste Wochenende habe und mal wieder feiern war, hab ich das Gefühl mal wieder nicht genug für meine Zukunft gemacht zu haben. Der Kreis scheint endlos zu sein, ohne richtig irgendwas aufzuhören. Die andern chillen entweder mehr als ich, machen mehr für ihre Zukunft oder haben ne viel lustigere Zeit als ich und da ist es schon egal, was ich gerade mache oder wo ich das mache, es ist irgendwie nie genug in meinem Kopf. Ich wusste, dass mich diese Gedanken nicht voranbringen, obwohl, eigentlich nicht. Irgendwie brachte ich mich ja selbst voran, hatte den Plan, ließ nicht locker, machte 2025 zu „meinem Jahr“ wie auch jedes Jahr zuvor, nur um dann am Ende des Jahres festzustellen, dass ich alles erreicht hatte, aber nicht wirklich ein Ziel gehabt hatte. Da gratulierte mir niemand an der Zielgerade. Weil ich es selber sein muss. 

Als ich mir dann die Babyfotos anschaute, wurde mir klar, dass ich dieses kleine Mädchen jedes mal mit gejudged hatte und dass ich seit diesen Momenten innerlich kein bisschen gealtert war. Jedes Bild im Laufe der Jahre und ich hatte meine Gedanken und meine Sorgen wieder im Kopf. Fand ich mich auf diesem Bild zu dick, meine Haare zu lang oder zu kurz oder meine Gesichtsform doch zu rund. Diese Bilder wieder zu sehen, war wie meine Lieblingsperson aufwachsen sehen und wie könnte ich ihr jemals schaden, sie war doch schon so stolz auf mich und würde zu mir hochschauen, egal wie viel ich jemals erreichen könnte. Sie war mein größter Fan, auch wenn sie vieles noch garnicht verstehen würde. Sie wär das kleine Wesen, dass in der ersten Reihe stehen würde, das garnicht aus irgendeinem bestimmten Grund jubeln würde, sondern einfach weil sie mich liebt. Dieser eine kleine Mensch, der mir viel wichtiger ist als jede andere Meinung, da fragte ich mich selber, wann sie traurig werden würde. Sie würde traurig werden, wenn sie wissen würde, dass ich nie zufrieden bin und niemals genug für mich selber machen könnte. Sie würde nicht verstehen, was ICH in diesen Momenten nicht verstehen könnte. Sie würde trotzdem die erste in der Reihe sein, weil sie immer stolz auf mich sein würde, also warum könnte ICH das auch nicht. Weil manchmal muss man nicht ältere sein, mehr haben oder besser werden. Manchmal reicht es auch auf die Version von sich selbst zu hören, die immer da sein wird. Du kannst dich niemals selbst verlieren, egal was du machst, egal was du nicht machst und egal wer du bist und wer du sein willst. DU wirst immer da sein.

DU kannst dich niemals selbst verlieren.

Ich kann mich niemals selbst verlieren. 

 

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amelieckert@t-online.de